Die blaue Lagune ist ja eigentlich ein völlig unromantischer Ort. Sie ist schlichtweg der Abwassersee des Geothermalkraftwerks Svartsengi. Als Bade-Hasser ging ich auch mit nichts als dieser Vorstellung an diesen Ort. Und ja, es ist ein absolut touristischer Ort. Man kann sich von Keflavik für eine Stunde hinkarren lassen, wenn man auf einen Anschlussflug wartet. Mit Island hat das meiner Meinung nach nicht besonders viel zu tun.
Okay, natürlich ist es schon irgendwie eine spezielle Atmosphäre dort. Im Winter vermutlich noch viel mehr, weil dann noch viel mehr Dampf aufsteigt. Letztlich habe ich einfach ein paar schöne Bilder gemacht. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.
Wer mich in letzter Zeit auf Twitter und sonst im Netz verfolgt hat, dem ist nicht entgangen, dass ich zunehmend Interesse an Streetfotografie entwickelt habe. Habe ich früher peinlich darauf geachtet, dass möglichst keine Menschen mein sorgsam ausgewähltes Motiv “verunstalten”, ertappe ich mich mittlerweile immer öfter dabei, wie ich Menschen gerne als Bereicherung in ein Bild einbaue. Oftmals geben sie automatisch einen ganz anderen Eindruck eines Motivs, oder sorgen erst dafür dass eine gewisse Stimmung entsteht. Und immer öfter mache ich die Menschen auch gerne zum Motiv selbst. Und habe Spass dabei.
Gestellte Portraits interessieren mich eher weniger. Ich bin nicht der Typ der Regieanweisungen gibt, oder aus der zu fotografierenden Person besondere Stimmungen und Gesichtsausdrücke herauskitzelt. Oder sagen wir ich habe dies noch nie wirklich probiert oder gelernt – nützlich wäre es sicher hin und wieder. Für den Moment bin ich aber wahnsinnig gerne der stille Beobachter. Im Grunde entspricht dies ja auch meiner Persönlichkeit, und ich frage mich, wieso ich das nicht schon länger mit der Kamera ausgelebt habe.
Island ist – wenn man von Reykjavik, was vermutlich zu 99% aus interessanten Menschen besteht, absieht – natürlich alles andere als der perfekte Ort für Streetfotografie. Dennoch habe ich die wenigen Momente versucht zu nutzen. Vor allem auf der Fähre Baldur, mit der wir in die Westfjorde gefahren sind, war ich längere Zeit zum Nichtstun verdammt und plötzlich konnte ich mich vor Motiven kaum noch retten.
Die Leute waren mit der zunehmend wundervollen Aussicht beschäftigt, mit dem Montieren von Kapuzen und sonstigem Windschutz, mit Schlafen, und natürlich mit sich selbst. Es war einfach perfekt.
Bevor wir den Süden Islands verlassen, machen wir natürlich Halt am Skogafoss. Je mehr Wasserfälle ich in Island gesehen habe, desto mehr bekam ich Probleme mit den Superlativen – schönster, eindrucksvollster, grösster, höchster, wasserreichster, usw. – mit denen gerade auch Reiseführer gerne um sich werfen. Jeder Wasserfall hat seinen ganz eigenen Reiz, und der will erlebt sein.
Beim Skogafoss konnte ich meine D7000 erneut auf ihren Spritzwasserschutz prüfen. Völlig (nicht nur akustisch) berauscht, bin ich mit dem Stativ immer näher und näher herangegangen, bis die Kamera am Ende wirklich triefend nass war. Dank Streulichtblende musste ich hinterher nur wenige Wassertropfen auf der Linse wegretuschieren und davon abgesehen gab es auch keinerlei Probleme mit der Kamera. Härtetest bestanden also.
Das erste Bild zeigt durch die eingefrorene Bewegung und den Grössenvergleich mit ein paar Touristen die ganze Gewalt, die das Wasser über diese Felskante entwickelt.
Das zweite Bild ist wiederum die Sahne-Variante, die mit einer langen Belichtungszeit entsteht.
Wenn man in Vík ist, kann man natürlich nicht an den Klippen, dem Leuchtturm und dem imposanten Felstorbogen von Dyrhólaey vorbeifahren. Hier also eine weitere Bilderserie aus dem Süden Islands.
Heute macht die Island-Berichtserie Halt in Vík. Der Ort stellt mit seinen knapp 300 Einwohnern unsere mitteleuropäischen Vorstellungen einer Stadt vor ziemliche Herausforderungen. Einfach umwerfend ist jedoch der Strand. Tiefschwarzer Sand ergibt mit der weissen Gischt des Wassers einen ganz eigenen Reiz. Dazu dann noch die Felsen draussen im Meer, die der Legende nach eigentlich versteinerte Trolle sind. Hier haben wir es lange ausgehalten und hatten viel Spass! Da die meisten Bilder sowieso bereits naturgemäss fast schwarzweiss waren, habe ich mich überwiegend für eine schwarzweiss-Entwicklung entschieden.
Vom Geysir ging es direkt weiter zum berühmten Gulfoss. Ganz neu mit einem ND 1000 Graufilter ausgestattet, konnte ich diesen hier erstmals “live” ausprobieren und Schlagsahne produzieren. Leider meinte es das Wetter nicht so gut und hat einen ablenkenden kontrastreichen Himmel sowie tiefe Schatten produziert. Trotzdem hat das riesigen Spass gemacht und ich habe den Graufilter auch an noch folgenden Orten sehr gerne eingesetzt.
Neben den einsamen Landschaften, der unberührten, ursprünglichen Natur, gibt es in Island natürlich auch die Touristen-Magnete, die man gemacht haben muss, und wo man sich, zumindest für isländische Verhältnisse, extrem auf den Füssen herumtrampelt. Ein solcher Ort ist Geysir. Er gab den Geysiren dieser Welt ihren Namen, ist heute aber eher der still vor sich hindampfende Typ, der nur von den wenigsten Touristen überhaupt beachtet wird.
Dafür treibt es sein Kollege Strokkur umso wilder. Alle 5-10 Minuten schiesst er eine bis zu 30m hohe Fontäne in die Luft und lässt die amerikanischen Teenies laut aufkreischen – egal ob sie getroffen wurden oder nicht. Das Spektakel ist also eine Mordsgaudi und auch ziemlich faszinierend. Vor allem die blaue Blase, die sich vor dem Ausbruch in Sekundenbruchteilen aufbaut. Da die Fontäne ein ziemliches Postkartenmotiv ist, und ich es auf Grund der vielen Leute gar nicht postkartig hinbekommen hätte, habe ich mich auf die Blase konzentriert und mein Serienfeuer knattern lassen:
Snæfellsnes ist zwar nicht die nächste Station unserer Reise, aber die Berichte hier sind sowieso nicht chronologisch. Ich habe beschlossen, dass jetzt mal Landschaftsbilder an der Reihe sind. Und obwohl unser grösstes Wetterpech gerade die zwei Tage auf der Halbinsel betroffen haben, gab es (vielleicht gerade deshalb) hier auch die wunderbarsten Lichtstimmungen die man sich vorstellen kann.
Von Borgarnes kommend machten wir schliesslich in Búðir im dichten Nebel und Nieselregen kehrt und fuhren nach Stykkisholmur. Das Pokern hatte sich gelohnt, das Wetter war dort tatsächlich viel besser als am äusseren Zipfel der Halbinsel. Stykkisholmur ist ein sehr schönes Hafenstädtchen und wird noch eine eigene kleine Bilderserie bekommen. Schliesslich ging es dann zu unserer Unterkunft in Richtung Grundarfjörður und langsam öffnete sich der Himmel. Diesen Moment, als wir den blauen Spalt im Himmel über Grundarfjörður erblickten, wie sich darunter in weisser, vom Gegenlicht angestrahlter Gischt der letzte Schauer ergoss, und die gesamte Szenerie in dieses mystische Licht tauchte, werde ich wohl nie vergessen.
Leider kann man selbst in Island nicht einfach überall anhalten und fotografieren. Teilweise habe ich es trotzdem getan, aber sich vom Auto entfernen um den optimalen Blickwinkel zu suchen, geht natürlich wirklich nicht. Somit bereitete mir das ganze Schauspiel auch grösste Schmerzen. Dennoch sind für meinen Geschmack ein paar recht nette Aufnahmen entstanden:
Denkt man an Island, denkt man natürlich auch ziemlich bald mal an Pferde. Und vermutlich gibt es keine bessere Art, diese reizvolle Landschaft zu erkunden, als auf einem Pferderücken. Mangels wirklich fundierter Kenntnisse haben wir es aber uns und vor allem den Tieren erspart, eine “Touristenrunde” für Anfänger zu machen. Schön anzuschauen sind sie aber wirklich, und gemeinsam mit den allgegenwärtigen Schafen sind sie untrennbar mit dieser Landschaft verbunden.
Eines der ersten richtigen Highlights unserer Reise waren die heissen Quellen von Krysuvik. Überall brodelt es dort, es stinkt nach Schwefelwasserstoff und man sollte es vermeiden, von den ausgesteckten Pfaden abzuweichen, so wie dieser Herr. Festes Schuhwerk ist auch von Vorteil, auch wenn dies nicht jedermann so sieht. Heute gab es dort dann auch noch ein Erdbeben. Aber das ist natürlich reine Routine.
Übrigens wird in Island das warme Wasser frei Haus geliefert. So wie das Kaltwasser direkt aus irgendwelchen Quellen kommt, kommt dort das Warmwasser aus derartigen heissen Quellen. Nichts besonders interessantes, aber es wird einem dann eben wieder bewusst, wenn man sich unter der Dusche fragt, ob sich der Schwefel wohl auf der Haut abgelagert hat und jetzt freigelegt nochmal seinen Duft entfaltet. Hat er nicht. Es ist das Wasser. Aber nach 3 Tagen nimmt man es kaum noch wahr.
Der letzte Tag unserer Island-Reise wurde vor allem durch einen sehr dramatischen und sich ständig ändernden Himmel bestimmt. Wir waren auf dem Rückweg aus den Westfjorden nach Keflavik und haben ein letztes Mal intensiv die unglaubliche Landschaft genossen. Diese Bilder sind sicher nicht die spektakulärsten, aber nach den ganzen Stadtbildern aus Reykjavik mal ein kleiner Vorgeschmack auf die noch folgenden Blog-Artikel.
Harpa ist das neue Konzert- und Kongresshaus der Superlative in Reykjavik. Die Haupt-Einweihung steht noch bevor, und doch wurde es bereits auf eine Stufe mit NY Carnegie Hall gestellt, bzw. sogar darüber. Es ist gigantisch, in den Ausmassen, in der Technik, die darin steckt, und auch in seiner Schönheit. Von aussen erinnern die unterschiedlichen Glaselemente stark an isländische Basaltfelsen:
Innen lassen ebendiese maximal das spärliche isländische Winterlicht herein. Neben dem dezenten schwarzen Lavastein strahlt dann der grösste Saal in edlem Magma-Rot. Wir durften einer Führung beiwohnen und waren restlos begeistert. Alleine dieser Bau, und darin Björk oder ein grosses klassisches Konzert zu hören, wäre wieder eine Reise wert.
Wir bleiben noch für einen Moment in Reykjavik, gerade auch, weil dies gemäss Reiseführern, sonstigen Quellen, sowie auch den Reiserouten der Pauschalanbietern eher nicht opportun zu sein scheint. Wer verbindet Island schon mit Stadtbildern? Wir haben unsere Route jedoch selbst zusammengestellt, und somit hat auch Reykjavik fast 3 Tage abbekommen. Für meine Begriffe war dies auch sehr lohnenswert, gerade aufgrund dieser sehr speziellen Mischung aus Provinzflair und Weltmetropole.
Auf dem drittletzten Bild erkennt man unschwer, dass der Fokus von der Frau mit dem Blick für Handarbeiten auf die Häkelware im Vordergrund gelegt wurde. Und wer genau hinsieht, sieht auch zweifelsfrei, dass dieses Bild nicht von mir gemacht wurde.