Meine Artikel- und Bilderserie ist ja eigentlich abgeschlossen. Doch da gibt es noch eine ganze Menge Bilder, die ich eigentlich gerne zeigen möchte, die aber in keine Serie passen, oder sich sonstwie gruppieren lassen. Bilder, die meist einfach so mitten … Weiterlesen →
Es hat bis zu unserem vorletzten Tag in Island gedauert, dass wir endlich Papageientaucher sehen konnten. Ich dachte ja zwischenzeitlich schon, die wären nur eine Erfindung der Tourismus-Industrie um mehr Souvenirs verkaufen zu können. Nein, auf der Insel Vigur, draussen vor Isafjördur, waren sie zu sehen. Und das sind wirklich bemerkenswerte Vögel. Ich bin nicht besonders interessiert und schon gar nicht kundig, was Vögel betrifft. Aber diese Tierchen muss man einfach gern haben. Die Küstenseeschwalben hingegen eher weniger. Hinter jeder Bewegung vermuten sie offenbar einen Feind, den es zu vertreiben gilt. Und das tun sie sehr lautstark und aggressiv, wie man auf den Bildern auch erahnen kann.
Leider hatten wir in diesem Teil Islands viel zu wenig Zeit, um diese grossartige, karge und schroffe, aber doch unheimlich liebenswerte Landschaft gebührend auszukosten. Wir waren einfach sehr mit Fahren beschäftigt. So oft es ging habe ich aber trotzdem angehalten, um immer wieder einen Blick einzufangen. Und diese Blicke möchte ich jetzt hier auch ohne weitere Umschweife zeigen.
Hier eines der Bilder des gestrigen Tages, wo mich der Autofokus ärgern wollte. Aber da denke ich dann gerne wieder an Thomas’ Worte: “Aber du hast es gesehen.” Ja, ich hätte das Bild machen können, im Gegensatz zu 99% der Leute…
Jeder der sich schonmal mit dem Thema Streetfotografie beschäftigt hat, wird dem Namen Thomas “85mm” Leuthard mit Sicherheit bereits begegnet sein. Seit er ein kostenloses e-book (und mittlerweile sogar ein zweites) zum Download anbietet, haben sogar mehrere Tageszeitungen über ihn, … Weiterlesen →
Ein weiterer bedeutender Wasserfall: der Dynjandi. Wir sind noch immer in den Westfjorden, auf halbem Weg zur nächsten Station Ísafjörður. Wir sehen zum soundsovielten Mal das Pärchen, bzw. deren gut ausgestatteten Geländewagen mit Kennzeichen BS, Schweiz. Und wir beschliessen endgültig, dass es das nächste Mal etwas derartiges oder am besten ein Land Rover sein muss. Und es gibt hier ein Toilettenhäuschen, bestens versorgt, sauberer als jede Autobahnraststätte, mit Spendenkasse. Zwei Mal die Woche kommt jemand vorbei um nach dem Rechten zu sehen. Und wir sprechen hier vom absoluten Niemandsland. Die nächsten Ortschaften sind mindestens eine Stunde Schotterpiste weit weg. Aber das funktioniert und ist ein weiterer winzig kleiner Grund, warum Island einfach umwerfend ist…
Der Wasserfall ist einmal mehr sehr beeindruckend und ich konnte wieder mit Stativ und Graufilter experimentieren. Freude herrscht. Und hier die Bilder:
Breiðavík, noch nie habe ich mich so sehr am Ende der Welt gefühlt. Und noch selten so gut. Aber der Reihe nach. Wie bereits zuvor geschrieben, haben wir die Nachmittagsfähre von Stykkisholmur genommen und haben den restlichen Weg nach Breiðavík total unterschätzt. Vorankommen in Island ist ja tendenziell etwas eingeschränkt. Aber die Westfjorde, da gelten dann nochmal völlig andere Gesetze. Die Strassen sind überwiegend Schotterpisten, es ist kurvig und gebirgig. Tankstellen sind sehr rar, dafür hatte ich das Tankerlebnis meines Lebens. Eine einzelne Zapfsäule, ein alter Mann und seine Enkelin. Natürlich bedient. Viertelstündiges Händeschütteln und Englisch-Radebrechen der Franzosen vor uns mit intensivem Foto-Posing in allen Personen-Kombinationen und anschliessendem Adressaustausch zwecks Zusendung der Bilder. Falls dabei überhaupt etwas herauskaum, denn die D3100 war wohl nagelneu und mochte nicht so gern bedient werden. Bezahlt habe ich schliesslich (die Enkelin stand zwar hinterm Tresen, war aber noch zu klein um etwas zu machen) bei dem alten Mann ganz skandinavisch mit Kreditkarte. Mit Handbetrieb, versteht sich. Einfach herrlich.
Dann ist es ja auch so, dass man in Island alle Touristen, die einem aus irgendeinem Grund mal irgendwo auffielen, die folgenden Tage mindestens zwei Mal wiedersieht. Nicht so in den Westfjorden. Dort sieht man sich mindestens zwei Mal am selben Tag wieder. Die zwei Schweizer Freundinnen hatten dasselbe Übernachtungsziel wie wir. Den Kevin-Costner-Verschnitt (Der-mit-dem-Wolf-tanzt-Mähne und -Schnurrbart) von der Fähre beim nächsten Fotohalt. Oder die Abenteuerurlauber mit den Monstertruck-Jeeps, die aber auch ganz profan im Zimmer mit Dusche+WC nächtigten.
Tja, und irgendwann, nach vielen Schotter-Kilometern, die man aber an guten Stellen selbst mit der kleinen Suzuki-Möhre mit 80 befahren konnte (keine Schlaglöcher, nirgends!), kamen wir über die soundsovielte Kuppe, hinter der wir besagtes Ende der Welt sahen. Besagtes Paradies. Schnell das Nötigste im Zimmer verstauen, und dann, es war bereits nach 21 Uhr, nur noch zweieinhalb Sonnenstunden und viel zu wenig Zeit am nächsten Tag (Fahrt nach Isafjördur, vor der wir – jetzt – ziemlichen Respekt hatten), schnell hinaus an den Strand. Läuft man hinaus, sieht alles so nah, alles so erreichbar aus. Rechts der grosse Felsen, zum Greifen nah. Da vorne das Wasser. Links der Latrabjarg, westlichster Punkt Europas, ebenfalls in Reichweite, vielleicht könnten wir da ja noch hinlaufen? Und nach und nach merkt man dann, dass das hier alles riesige Dimensionen hat. Der Strand ist bei Ebbe Hunderte Meter tief, man erreicht mal vermeintlich das Wasser und sieht dann wieder ein ganzes Stück weit draussen den Sand durchschimmern.
Wir sind fast drei Stunden umhergelaufen und haben gefühlt nur einen winzigen Teil dieses Strandes, dieser Bucht erlaufen. Und dazu dieses goldene Licht, der feine Sand, die Vulkansteine überall, das Spiel des Wassers, und die Spuren die es im Sand hinterlässt. Ich weiss nicht wie ich das noch beschreiben soll, deshalb lasse ich jetzt einfach die Bilder sprechen: Am Strand von Breiðavík.
Auch abgesehen von der Wasserbibliothek ist Stykkisholmur ein reizendes kleines Städtchen. Es gibt fast nur schöne Häuser, gleichzeitig hängt aber auch sehr viel Melancholie in den Strassen. Man isst hervorragenden Fisch oder kauft im Bonus-Discount ein. Man geniesst die melancholische Verträumtheit, … Weiterlesen →
Eine Wasserbibliothek. Was könnte das sein? Ausleihen kann man Wasser hier nicht. Darin lesen? Hmm, schon eher. Auf jeden Fall muss man sich nur bewegen, um laufend neue Ein- und Ansichten der direkten und indirekten Umgebung zu erhalten.
Abgesehen von Vulkangestein gibt es in Island vermutlich kaum etwas so sehr im Überfluss wie Wasser. Herrliches Wasser. Eiskalt (vergesst den kalten Wasserhahn in Mitteleuropa, das ist alles lauwarm) und wohlschmeckend (Volvic ist ja schon gut, aber “Pure Icelandic” ist göttlich. Ja, ich bin ein Wasser-Gourmet ;)) oder naturheiss (frei Haus geliefert) mit leichter Schwefelnote, die man sehr schnell durchaus liebgewinnt. Und natürlich sind auch die natürlichen Erscheinungsformen des isländischen Wassers rein optisch auf die verschiedensten Arten eindrucksvoll. Als (auch als Kind der Alpen) unvorstellbar grosse Gletscher, als Wasserfälle in allen Breiten, Höhen und sonstigen Varianten und natürlich auch als unzählbar viele Bächlein und Seelein, die die Landschaft überall ganz einzigartig machen.
Es liegt also nahe, ein Museum nur dem Wasser zu widmen. Die Amerikanerin Roni Horn hat dies getan, und sie hat in der ehemaligen Bibliothek von Stykkisholmur 24 Säulen aufgestellt, die mit Wasser der 24 isländischen Gletscher gefüllt sind. Der Raum ist von allen Seiten lichtdurchflutet und somit spiegelt und bricht sich das Licht in den Säulen und zaubert mit jeder eigenen Bewegung wieder völlig neue Bilder auf und in die Säulen. Bilder können dieses Erlebnis wohl nur sehr unvollständig wiedergeben, aber vielleicht gibt die folgende Serie ja doch einen kleinen Einblick.
Heute gibt es einen kleinen Leckerbissen für alle Urban Explorer. Wobei “urban” hier natürlich, wie immer in Island, eher relativ zu sehen ist. Es geht um ein Schiff. Das erste Stahlschiff Islands. Seit ein paar Jahrzehnten liegt es in den Westfjorden, dort wo die Schotterpiste nach Breiðavík/Látrabjarg, dem westlichsten Punkt Europas abzweigt, und rostet vor sich hin. Auch wenn es manchmal auf den ersten Blick unordentlich und ramschig anmuten mag, ich finde es auf eine Art ganz wunderbar, wie die Isländer mit “Dingen” umgehen. Einfach abgestellt und zu einem kostenlosen Freilichtmuseum für alle gemacht. Ohne viel Aufwand, ohne Zaun und Kassenhäuschen, ohne viel Erklärungen, ohne Events und Spektakel. Die pure Natur, das pure Leben.
Die blaue Lagune ist ja eigentlich ein völlig unromantischer Ort. Sie ist schlichtweg der Abwassersee des Geothermalkraftwerks Svartsengi. Als Bade-Hasser ging ich auch mit nichts als dieser Vorstellung an diesen Ort. Und ja, es ist ein absolut touristischer Ort. Man kann sich von Keflavik für eine Stunde hinkarren lassen, wenn man auf einen Anschlussflug wartet. Mit Island hat das meiner Meinung nach nicht besonders viel zu tun.
Okay, natürlich ist es schon irgendwie eine spezielle Atmosphäre dort. Im Winter vermutlich noch viel mehr, weil dann noch viel mehr Dampf aufsteigt. Letztlich habe ich einfach ein paar schöne Bilder gemacht. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.
Wer mich in letzter Zeit auf Twitter und sonst im Netz verfolgt hat, dem ist nicht entgangen, dass ich zunehmend Interesse an Streetfotografie entwickelt habe. Habe ich früher peinlich darauf geachtet, dass möglichst keine Menschen mein sorgsam ausgewähltes Motiv “verunstalten”, ertappe ich mich mittlerweile immer öfter dabei, wie ich Menschen gerne als Bereicherung in ein Bild einbaue. Oftmals geben sie automatisch einen ganz anderen Eindruck eines Motivs, oder sorgen erst dafür dass eine gewisse Stimmung entsteht. Und immer öfter mache ich die Menschen auch gerne zum Motiv selbst. Und habe Spass dabei.
Gestellte Portraits interessieren mich eher weniger. Ich bin nicht der Typ der Regieanweisungen gibt, oder aus der zu fotografierenden Person besondere Stimmungen und Gesichtsausdrücke herauskitzelt. Oder sagen wir ich habe dies noch nie wirklich probiert oder gelernt – nützlich wäre es sicher hin und wieder. Für den Moment bin ich aber wahnsinnig gerne der stille Beobachter. Im Grunde entspricht dies ja auch meiner Persönlichkeit, und ich frage mich, wieso ich das nicht schon länger mit der Kamera ausgelebt habe.
Island ist – wenn man von Reykjavik, was vermutlich zu 99% aus interessanten Menschen besteht, absieht – natürlich alles andere als der perfekte Ort für Streetfotografie. Dennoch habe ich die wenigen Momente versucht zu nutzen. Vor allem auf der Fähre Baldur, mit der wir in die Westfjorde gefahren sind, war ich längere Zeit zum Nichtstun verdammt und plötzlich konnte ich mich vor Motiven kaum noch retten.
Die Leute waren mit der zunehmend wundervollen Aussicht beschäftigt, mit dem Montieren von Kapuzen und sonstigem Windschutz, mit Schlafen, und natürlich mit sich selbst. Es war einfach perfekt.
Bevor wir den Süden Islands verlassen, machen wir natürlich Halt am Skogafoss. Je mehr Wasserfälle ich in Island gesehen habe, desto mehr bekam ich Probleme mit den Superlativen – schönster, eindrucksvollster, grösster, höchster, wasserreichster, usw. – mit denen gerade auch … Weiterlesen →