Wer mich in letzter Zeit auf Twitter und sonst im Netz verfolgt hat, dem ist nicht entgangen, dass ich zunehmend Interesse an Streetfotografie entwickelt habe. Habe ich früher peinlich darauf geachtet, dass möglichst keine Menschen mein sorgsam ausgewähltes Motiv “verunstalten”, ertappe ich mich mittlerweile immer öfter dabei, wie ich Menschen gerne als Bereicherung in ein Bild einbaue. Oftmals geben sie automatisch einen ganz anderen Eindruck eines Motivs, oder sorgen erst dafür dass eine gewisse Stimmung entsteht. Und immer öfter mache ich die Menschen auch gerne zum Motiv selbst. Und habe Spass dabei.
Gestellte Portraits interessieren mich eher weniger. Ich bin nicht der Typ der Regieanweisungen gibt, oder aus der zu fotografierenden Person besondere Stimmungen und Gesichtsausdrücke herauskitzelt. Oder sagen wir ich habe dies noch nie wirklich probiert oder gelernt – nützlich wäre es sicher hin und wieder. Für den Moment bin ich aber wahnsinnig gerne der stille Beobachter. Im Grunde entspricht dies ja auch meiner Persönlichkeit, und ich frage mich, wieso ich das nicht schon länger mit der Kamera ausgelebt habe.
Island ist – wenn man von Reykjavik, was vermutlich zu 99% aus interessanten Menschen besteht, absieht – natürlich alles andere als der perfekte Ort für Streetfotografie. Dennoch habe ich die wenigen Momente versucht zu nutzen. Vor allem auf der Fähre Baldur, mit der wir in die Westfjorde gefahren sind, war ich längere Zeit zum Nichtstun verdammt und plötzlich konnte ich mich vor Motiven kaum noch retten.
Die Leute waren mit der zunehmend wundervollen Aussicht beschäftigt, mit dem Montieren von Kapuzen und sonstigem Windschutz, mit Schlafen, und natürlich mit sich selbst. Es war einfach perfekt.
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