Heute erhiehlt ich eine Anfrage für einen Druck meines Zürich-Prime-Tower-Bilds. Natürlich bin ich darüber total aufgeregt, andererseits habe ich mich beim erneuten Betrachten des Bildes aber auch gefragt, ob man das so wirklich aufhängen möchte, und ob da nicht noch mehr möglich wäre.
Früher war ich ja auch eher ein überzeugter Nicht-Bearbeiter meiner Bilder. Über diese Phase bin ich aus jedem Fotografen naheliegenden Gründen, die ich hier auch nicht weiter erörtern möchte, zum Glück schon länger hinweg. Dennoch ist mein Lernpotential im Umgang mit Aperture & Co. sicherlich noch sehr gross – jedenfalls grösser als jenes (grosse) hinter der Kamera. Und natürlich mache ich da mittlerweile aber auch Dinge, von denen ich vor einem Jahr noch nicht zu träumen gewagt hätte.
Somit ist es naheliegend, dass auf meiner Festplatte durchaus noch der eine oder andere Schatz schlummern könnte, der mit dem richtigen Dreh am richtigen Regler von einer missglückten zu einer interessanten oder vielleicht auch von einer guten zu einer richtig guten Aufnahme werden könnte. Und so einen habe ich heute eben gefunden, und ich möchte hier kurz zeigen, was das bedeuten kann.
Angefangen hat es mit diesem unbearbeiteten Bild:
Ein toller Ausblick auf Zürich mit dem markanten Prime Tower. Dem Bild sieht man aber irgendwie an, dass es vermutlich in der Realität erheblich eindrücklicher gewesen sein muss.
Dem Leitsatz “keine Farbe, wo sie nichts zur Bildwirkung beiträgt” folgend, habe ich mich vor etwa einem Jahr schnell für eine schwarzweiss-Entwicklung entschieden. Der interessante Himmel sollte dadurch hervorgehoben werden, ebenso die vielen kleinen Strukturen des Häusermeers. Ausserdem fand ich eine leichte Sepia-Tonung ganz nett:
Das Bild wirkt so schon recht attraktiv (eignet sich auch hervorragend als Desktop-Hintergrund ;)), allerdings hat es doch noch erhebliche Schwächen, die mir vor einem Jahr entweder noch nicht bewusst waren, oder die ich nicht zu beheben vermochte. Zum einen sind weite Teile des Himmels ziemlich überbelichtet, was nicht sein müsste, da im RAW durchaus noch Details drin stecken. Doch wie hervorholen, ohne den Vordergrund total absaufen zu lassen? Zum anderen wirkt es insgesamt auch eher flau, die vielen kleinen Fenster und Linien könnten mehr Kontrast vertragen, auch mehr Schärfe.
Nach etwas Experimentieren kam ich also heute in wenigen Schritten zu einem (für heute ;)) befriedigenden Ergebnis: die Belichtung wurde sehr stark zurückgenommen, bis der Himmel die gewünschte Zeichnung erhielt und nur noch wenige ausgebrannte Fleckchen sehr schön die durchdrückende Sonne andeuten. Gleichzeitig wurde die Helligkeit (welche nicht die Gesamtbelichtung verändert, sondern die “Spitzen” ausser Acht lässt) erhöht. Um den Vordergrund zu retten wurde dieser per Tonwertkorrektur extrem stark aufgehellt und ebenso extrem der Kontrast erhöht, um die knackigen Strukturen zu erhalten. Schliesslich noch eine ordentliche Portion Schärfe, und so sieht das nun aus:
Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass das Bild der Interessentin nun noch gefällt…