Jahresrückblicke sind normalerweise nicht so meine Sache. Insbesondere dann nicht, wenn nochmal alle Dinge durchgekaut werden, von denen man bereits zum Zeitpunkt des Geschehens eine Überdosis abbekam. Zum Glück habe ich in den letzten Tagen auch genug interessante, aufschlussreiche, persönliche Rückblicke von vielen Bloggerperlen in meinem Feedreader gelesen, so dass ich ebenfalls Lust bekam einen derartigen Artikel zu schreiben. Da ich ja erst seit November wieder blogge bzw. überhaupt im social web unterwegs bin, macht das natürlich doppelt Sinn.
2010 war für mich das Jahr der Fotografie schlechthin. Davor war fotografieren für mich ein Hobby das so nebenher lief. Wenn es einen Anlass gab, der Bilder versprach, hatte ich halt die Kamera dabei. Gute Ergebnisse waren gleichfalls geplant (gestalterisch) und zufällig (technisch). Aber dann wollte ich mehr. Bereits 2009 habe ich mir endlich ein zweites Objektiv gegönnt, schön lichtstark, Festbrennweite. Und Anfang 2010 ging ich dann erstmals raus UM ZU FOTOGRAFIEREN. Nicht nebenher, sondern als einzigem Zweck. Ich entdeckte, dass es nicht nur Spass macht “schöne” Motive zu fotografieren, Postkarten und Hochglanz-Bildbänden nachzueifern, sondern dass auch die Hässlichkeit des Alltags oftmals für reizvolle Ansichten sorgt.
Im Frühjahr war das Highlight der Workshop im Taubergiessen, so ungefähr der letzten echten Wildnis Deutschlands. Hier gewann ich vor allem Spass an Makros und hier reifte der Entschluss, dass ich noch ein echtes 1:1 Makro-Objektiv brauche. Bis heute wurde dieser noch nicht in die Tat umgesetzt.
Wenige Wochen später entstand eines Abends das Bild, was als Titelbild für diesen Artikel herhalten muss. Eines meiner Highlights 2010. Die Stimmung an diesem Abend war etwas ganz besonderes, selten liegt der Katzensee so friedlich und ruhig da, selten ist ein derart goldenes Abendlicht. Dazu dann noch die Rauchschwaden, die von der ausgelassenen Grillparty am anderen Ende zeugen.
Im Sommer stand die Reise nach Schweden im Vordergrund und dies war gleichzeitig auch fotomässig eine erste Sinnkrise für mich, nach dem ganzen Enthusiasmus der vergangenen Monate. Ich tat mich enorm schwer die zweifellos zur Genüge vorhandenen Motive richtig wahrzunehmen, und mir auch die Zeit zu nehmen, sie zu einem guten Foto zu “verarbeiten”. Häufig sah ich etwas, hatte müde Beine vom ganzen Tag in der Stadt, hätte noch die Kamera hervorholen müssen, hätte mir auch noch Gedanken machen müssen, welcher Blickwinkel jetzt der beste wäre – und dann war es doch bequemer, einfach weiterzulaufen. Wieder zurück in Zürich war ich dann enttäuscht. Vielleicht lag es auch an meinem Erwartungen an die Bilder. Als grosser Schweden-Fan hätte ich gerne Bilder gehabt, die nicht weniger schön sind als das Land selbst. Bei Schweden als für mich tollstem Land der Welt eine fast unerreichbare Aufgabe…
Die Enttäuschung währte allerdings nicht lange, denn da brodelte schon seit längerem der Wunsch nach einer besseren Kamera – vor allem eine bessere ISO-Leistung sollte es sein. Die D80 rauscht bei ISO 800 doch schon recht unansehnlich. Und da bekam ich eine Mail von Jörn, die einen Link zur D7000-Ankündigung enthielt. Zuerst dachte ich was soll ich mit einer vierstelligen Nikon, ich wollte doch aufsteigen, nicht absteigen. Doch schnell war klar, dass Nikon hier mit der grossen Kelle angerührt hat, und dass die D7000 ein absoluter Knüller ist, sofern man nicht vorhat, gleich ins FX-Lager zu wechseln. Wenige Wochen später war also meine Vorbestellung getätigt und die Vorfreude gross.
Und was macht man wenn man wartet? Natürlich mit der D80 weiterfotografieren, und – endlich mal das alte verstaubte und verschimmelte Blog wieder ausgraben. Ich bekam Lust auf Internet, also auf aktive Teilnahme. Und ich bekam Lust, Twitter nochmal eine zweite Chance zu geben. Nachdem ich mich gezwungen hatte, nach einer Woche nicht hinzuschmeissen, lief es dann immer besser und heute kann ich es schon fast nicht mehr wegdenken. Unglaublich wie man mit “140 Zeichen Nonsense” so viele interessante Leute kennenlernt…
Parallel dazu entdeckte ich auch noch das Fotografieren mit dem iPhone. Früher habe ich Handybilder belächelt verlacht, heute hat mein iPhone praktisch meine Kompaktkamera abgelöst. Und das iPhone ist dann tatsächlich auch endlich die absolut-immer-dabei-Kamera und ich habe zusätzlich Spass mit Instagram, Tumblr und Konsorten.
Zum Schluss noch der Dezember im Schnelldurchlauf: D7000 – Fotoworkshop – Schnee – Schneebilder – Freude. Ich freue mich auf 2011, auf viele schöne Bilder, auf das weitere Verbessern meiner Technik, auf das Lernen völlig neuer Dinge, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie nicht kann. Und ich bin gespannt wo das alles noch hinführt…
